Kaufnebenkosten sparen: 8 Strategien für weniger Nebenkosten

Kaufnebenkosten beim Immobilienkauf legal reduzieren. 8 bewährte Spartipps für Grunderwerbsteuer, Notarkosten und Maklerprovision – mit konkreten Beispielen.

Kaufnebenkosten betragen je nach Bundesland 7–15 % des Kaufpreises. Bei einer 400.000-€-Immobilie sind das bis zu 60.000 € zusätzlich zum Kaufpreis. Die gute Nachricht: Mit den richtigen Strategien lassen sich mehrere tausend Euro einsparen.

TLDR: Die drei wirksamsten Hebel zum Sparen bei Kaufnebenkosten sind: ohne Makler kaufen (spart 3–4 %), bewegliche Gegenstände separat ausweisen (spart GrESt auf diese Posten) und beim Notar auf unnötige Leistungen verzichten.

Taschenrechner, Münzen und Sparschwein auf einem Schreibtisch – Symbol für Einsparpotenzial bei Kaufnebenkosten

Übersicht: Kaufnebenkosten-Spar-Potenzial

KostenstelleTypischer AnteilSparpotenzialSchwierigkeit
Grunderwerbsteuer3,5–6,5 %★★★ MittelMittel
Notarkosten1,0–1,5 %★★ GeringGering
Grundbuchkosten0,5 %★ MinimalGering
Maklerprovision0–3,57 %★★★★★ HochMittel

Berechnen Sie Ihr persönliches Einsparpotenzial →

Strategie 1: Ohne Makler kaufen

Sparpotenzial: 3,57 % des Kaufpreises (ca. 14.280 € bei 400.000 €)

Der wirksamste Hebel ist der Verzicht auf den Makler. So finden Sie Immobilien ohne Maklerbeteiligung:

  • Privatangebote auf Portalen: Auf ImmoScout24 und Immowelt nach „Provisionsfrei” filtern
  • Bauträger-Neubauprojekte: Bauträger verkaufen direkt, ohne Makler
  • Zwangsversteigerungen: Über zvg-portal.de – hier fällt nie Maklerprovision an
  • Direktansprache: Eigentümer in Wunschgebieten direkt ansprechen
  • Lokale Anzeigen: Wochenblätter, Aushänge in Supermärkten, Mundpropaganda

Hinweis: Seit dem Provisionsgesetz vom 23.12.2020 muss bei Wohnimmobilien der Verkäufer mindestens die Hälfte der Maklerprovision tragen. Der Käufer zahlt also maximal 3,57 % (inkl. MwSt.).

Strategie 2: Bewegliche Gegenstände separat ausweisen

Sparpotenzial: 500–3.000 € (je nach Ausstattung)

Die Grunderwerbsteuer wird auf den Kaufpreis abzüglich beweglicher Gegenstände berechnet. Listen Sie diese einzeln im Kaufvertrag auf:

GegenstandTypischer Ansatz
Einbauküche5.000–15.000 €
Markise/Jalousien500–2.000 €
Sauna3.000–8.000 €
Gartenhäuschen500–3.000 €
Kaminofen1.000–3.000 €
Waschmaschine/Trockner500–1.500 €
Einbaumöbel1.000–5.000 €

Berechnungsbeispiel

Bei 400.000 € Kaufpreis in NRW (6,5 % GrESt) mit 15.000 € beweglichen Gegenständen:

  • Ohne Abzug: 400.000 × 6,5 % = 26.000 € GrESt
  • Mit Abzug: 385.000 × 6,5 % = 25.025 € GrESt
  • Ersparnis: 975 €

Achtung: Das Finanzamt akzeptiert in der Regel Beträge bis ca. 15 % des Kaufpreises. Übertrieben hohe Ansätze können eine Prüfung auslösen.

Strategie 3: Instandhaltungsrücklage bei Eigentumswohnungen abziehen

Sparpotenzial: 200–1.500 €

Bei Eigentumswohnungen kann der anteilige Bestand der Instandhaltungsrücklage vom Kaufpreis abgezogen werden. Diese Rücklage ist kein Teil des Immobilienpreises, sondern ein gemeinschaftliches Guthaben der WEG.

So geht’s

  1. Fragen Sie beim Verwalter den aktuellen Rücklagenbestand und Ihren anteiligen Betrag ab
  2. Lassen Sie den Betrag im Kaufvertrag separat ausweisen
  3. Der Notar berücksichtigt dies automatisch bei der GrESt-Berechnung

Strategie 4: Bundesland clever nutzen

Sparpotenzial: bis zu 12.000 € (bei Grenzregionen)

Der Unterschied zwischen Bayern (3,5 %) und NRW (6,5 %) beträgt bei 400.000 € Kaufpreis 12.000 €. In Grenzregionen kann sich ein Blick über die Landesgrenze lohnen:

GrenzregionGünstige SeiteTeure SeiteErsparnis bei 400.000 €
Bayern ↔ Baden-WürttembergBayern (3,5 %)BW (5,0 %)6.000 €
Bayern ↔ HessenBayern (3,5 %)Hessen (6,0 %)10.000 €
Niedersachsen ↔ NRWNDS (5,0 %)NRW (6,5 %)6.000 €
Thüringen ↔ HessenThüringen (5,0 %)Hessen (6,0 %)4.000 €

Alle Bundesländer im Vergleich →

Strategie 5: Auf Notaranderkonto verzichten

Sparpotenzial: 500–1.200 €

Das Notaranderkonto (Treuhandkonto beim Notar) verursacht zusätzliche Gebühren. In der Praxis ist eine Direktzahlung an den Verkäufer nach Erfüllung der Kaufvertragsbedingungen Standard und sicher.

Verzichten Sie auf das Notaranderkonto, wenn:

  • Die Bank keine Treuhandabwicklung verlangt
  • Keine besonderen Risiken vorliegen (z. B. Insolvenz des Verkäufers)
  • Der Notar keine Bedenken äußert

Strategie 6: Grundschuld ohne Brief eintragen

Verhandlung und Handschlag bei einem Immobiliengeschäft

Sparpotenzial: 100–300 €

Lassen Sie die Grundschuld als Buchgrundschuld (ohne Brief) eintragen. Das spart Grundbuchkosten und ist heute Standard bei den meisten Banken.

Strategie 7: Fördermittel nutzen

Sparpotenzial: indirekt – senkt die Gesamtbelastung

Auch wenn Fördermittel die Nebenkosten nicht direkt reduzieren, senken sie die Gesamtkosten:

  • KfW-Förderung: Günstige Kredite und Zuschüsse für energieeffizientes Bauen/Sanieren
  • Wohn-Riester: Zulagen und Steuervorteile für die Eigenheimfinanzierung
  • Landesförderung: Verschiedene Bundesländer bieten Erstkäufer-Programme

Strategie 8: Kaufpreis-Struktur optimieren

Sparpotenzial: variabel – erfordert Verhandlungsgeschick

Bei Gewerbeimmobilien oder gemischt genutzten Gebäuden kann die Aufteilung auf Grund und Boden vs. Gebäude steuerlich relevant sein. Bei Kapitalanlagen beeinflusst dies die AfA-Abschreibung.

Beispielrechnung: Maximales Sparpotenzial

PositionStandardMit SpartippsErsparnis
Kaufpreis400.000 €400.000 €
GrESt (NRW 6,5 %)26.000 €25.025 €975 €
Notar + Grundbuch8.000 €7.200 €800 €
Makler (3,57 %)14.280 €0 €14.280 €
Gesamte Nebenkosten48.280 €32.225 €16.055 €
Prozent vom KP12,1 %8,1 %

Ergebnis: Durch konsequente Anwendung aller Strategien lassen sich bei einer 400.000-€-Immobilie in NRW über 16.000 € Kaufnebenkosten einsparen.

Was Sie NICHT tun sollten

  • Kaufpreis im Vertrag reduzieren und schwarz nachzahlen – das ist Steuerhinterziehung
  • Bewegliche Gegenstände überbewerten – das Finanzamt erkennt unrealistische Ansätze
  • Auf die GrESt-Reform warten – Ein Freibetrag für Erstkäufer wird seit Jahren diskutiert, ein konkreter Gesetzentwurf lag zum Stand März 2026 nicht vor
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