Anschlussfinanzierung 2026 – Optionen, Rechner & Tipps

Ihre Sollzinsbindung läuft aus? Wir erklären Prolongation, Umschuldung und Forward-Darlehen und zeigen, wie Sie die beste Anschlussfinanzierung für Ihre Immobilie finden.

Beratungsgespräch in einer modernen Bank

Auf einen Blick (TL;DR)

Wenn Ihre Sollzinsbindung ausläuft, müssen Sie die Restschuld weiterfinanzieren. Sie haben drei Optionen: Prolongation (gleiche Bank), Umschuldung (neue Bank) oder Forward-Darlehen (Zinsen heute sichern). Ein sorgfältiger Vergleich kann Ihnen über die zweite Zinsbindung Zehntausende Euro sparen.


Was ist eine Anschlussfinanzierung?

Am Ende der Sollzinsbindung Ihres Immobiliendarlehens bleibt in der Regel eine erhebliche Restschuld übrig:

Szenario (300.000 € Darlehen, 3,5 % Zins)Anfängliche TilgungRestschuld nach 10 Jahren
Niedrige Tilgung1 %261.000 €
Standard-Tilgung2 %225.000 €
Hohe Tilgung3 %189.000 €

Diese Restschuld muss weiterfinanziert werden – das ist die Anschlussfinanzierung.

→ Berechnen Sie Ihre Restschuld: Tilgungsrechner


Bankberatung zur Anschlussfinanzierung in einem modernen Büro

Die drei Optionen im Vergleich

Option 1: Prolongation (gleiche Bank)

So funktioniert’s: Ihre aktuelle Bank schickt Ihnen ca. 3 Monate vor Ablauf ein Prolongationsangebot mit neuen Zinssätzen.

VorteilNachteil
Kein PapierkramOft nicht die besten Konditionen
Keine GrundbuchänderungKein Verhandlungsdruck für die Bank
Schnelle AbwicklungSie verpassen möglicherweise bessere Angebote

Tipp: Nutzen Sie das Prolongationsangebot als Verhandlungsbasis, aber unterschreiben Sie es nicht sofort. Holen Sie mindestens 2–3 Vergleichsangebote ein.

Option 2: Umschuldung (neue Bank)

So funktioniert’s: Sie schließen bei einer neuen Bank einen Darlehensvertrag ab. Die neue Bank löst die alte Grundschuld ab oder übernimmt sie per Abtretung.

VorteilNachteil
Oft deutlich bessere ZinsenNeuer Kreditantrag nötig
Neubewertung Ihres ObjektsGrundbuchkosten (ca. 0,1–0,2 % der Restschuld)
VerhandlungsspielraumZeitaufwand ca. 4–8 Wochen

Kosten einer Umschuldung:

KostenpunktTypischer Betrag (bei 200.000 € Restschuld)
Notar: Grundschuldabtretung~400 €
Grundbuchamt: Umschreibung~200 €
Ggf. Bewertungsgebühr0–500 €
Gesamt600–1.100 €

Rechenbeispiel: Bei 0,3 % Zinsunterschied über 10 Jahre sparen Sie bei 200.000 € Restschuld ca. 6.000 € an Zinsen – die Umschuldungskosten von ~800 € lohnen sich fast immer.

Option 3: Forward-Darlehen (Zinsen vorab sichern)

So funktioniert’s: Sie vereinbaren bereits 12–60 Monate vor Ablauf der Zinsbindung einen neuen Zinssatz. Dafür zahlen Sie einen Forward-Aufschlag.

VorlaufzeitTypischer Forward-Aufschlag
6 Monate0,06–0,18 %
12 Monate0,12–0,36 %
24 Monate0,24–0,72 %
36 Monate0,36–1,08 %

Wann sinnvoll?

  • Sie erwarten steigende Zinsen
  • Sie möchten Planungssicherheit
  • Ihre Zinsbindung endet in 12–36 Monaten

Entscheidungsmatrix: Welche Option ist die richtige?

KriteriumProlongationUmschuldungForward-Darlehen
Aufwand⭐⭐⭐ gering⭐ hoch⭐⭐ mittel
Zinsvorteil⭐ gering⭐⭐⭐ hoch⭐⭐ mittel
Planungssicherheit⭐⭐ mittel⭐⭐ mittel⭐⭐⭐ hoch
Kosten⭐⭐⭐ keine⭐⭐ gering⭐⭐ Forward-Aufschlag
Flexibilität⭐ gering⭐⭐⭐ hoch⭐ gebunden

Terminplaner und Kalender auf dem Schreibtisch – Fristen der Anschlussfinanzierung

Schritt-für-Schritt: Anschlussfinanzierung optimal planen

Anschlussfinanzierung planen — Der ideale Zeitstrahl 36–12 Mon. 12–6 Mon. 6–3 Mon. Ablauf! Markt beobachten Restschuld berechnen Zinsniveau verfolgen Angebote einholen Forward-Darlehen prüfen 3+ Banken vergleichen Entscheiden Konditionen verhandeln Vertrag unterschreiben Zinsbindung endet Neue Konditionen greifen automatisch 💡 Tipp: Sonderkündigungsrecht nach § 489 BGB nach 10 Jahren!

36–12 Monate vorher

  1. Restschuld berechnen – Prüfen Sie Ihren aktuellen Tilgungsplan
  2. Zinsniveau beobachten – Verfolgen Sie die Bauzinsentwicklung
  3. Forward-Darlehen prüfen – Lohnt sich die Zinssicherung?

12–6 Monate vorher

  1. Prolongationsangebot abwarten – Ihre Bank meldet sich
  2. Vergleichsangebote einholen – Mindestens 3 Banken anfragen
  3. Umschuldung kalkulieren – Zinsersparnis vs. Umschuldungskosten

6–3 Monate vorher

  1. Entscheidung treffen – Prolongation, Umschuldung oder Forward
  2. Vertrag abschließen – Nahtloser Übergang sicherstellen

Tipp: Sonderkündigungsrecht nach § 489 BGB

Nach 10 Jahren Zinsbindung haben Sie ein gesetzliches Kündigungsrecht – unabhängig von der vereinbarten Zinsbindung. Die Kündigungsfrist beträgt 6 Monate. Das bedeutet: Bei einem 15-Jahres-Darlehen können Sie nach 10 Jahren ohne Vorfälligkeitsentschädigung wechseln.


Typische Fehler bei der Anschlussfinanzierung

  1. Erstbestes Prolongationsangebot annehmen – Immer vergleichen!
  2. Zu kurze neue Zinsbindung wählen – In Niedrigzinsphasen lieber 15–20 Jahre sichern
  3. Tilgung nicht erhöhen – Nutzen Sie eventuell gestiegenes Einkommen für eine höhere Tilgung
  4. Sondertilgungsoptionen vergessen – In der neuen Vereinbarung mindestens 5 % jährlich einplanen
  5. Zu spät beginnen – Starten Sie mindestens 12 Monate vorher

Zusammenfassung

  • Beginnen Sie 12+ Monate vor Ablauf der Zinsbindung mit dem Vergleich
  • Prolongation ist bequem, aber selten die günstigste Option
  • Umschuldung lohnt sich ab ca. 0,2 % Zinsunterschied (nach Kosten)
  • Forward-Darlehen sichern Ihnen heutige Zinsen – sinnvoll bei steigender Zinserwartung
  • Nutzen Sie das Sonderkündigungsrecht nach § 489 BGB nach 10 Jahren

→ Berechnen Sie Ihre optimale Finanzierung: Tilgungsrechner

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