Immobilienrendite berechnen – Brutto, Netto & EK-Rendite

Immobilienrendite richtig berechnen: Formeln für Bruttomietrendite, Nettomietrendite und Eigenkapitalrendite – mit Beispielen, häufigen Fehlern und Bewertungshilfen.

Die Rendite ist das wichtigste Entscheidungskriterium für Immobilien-Investments. Doch „die Rendite” gibt es nicht – es gibt mindestens drei verschiedene Kennzahlen, die Anleger kennen müssen.

TLDR: Bruttomietrendite (einfach, grob), Nettomietrendite (realistisch, inkl. Kosten) und Eigenkapitalrendite (relevant für Investoren mit Fremdkapital). Je mehr Sie selbst finanzieren, desto näher liegt die EK-Rendite an der Objektrendite.

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Kennzahl 1: Bruttomietrendite

Deutsches Mehrfamilienhaus als Anlageimmobilie in der Innenstadt

Formel

Bruttomietrendite = Jahresnettokaltmiete ÷ Kaufpreis × 100

Berechnungsbeispiel

PositionBetrag
Kaufpreis250.000 €
Monatliche Nettokaltmiete900 €
Jahresnettokaltmiete10.800 €
Bruttomietrendite4,32 %

Bewertung

BruttomietrenditeBewertung
> 6 %🟢 Sehr attraktiv (selten in Großstädten)
4–6 %🟢 Gut
3–4 %🟡 Akzeptabel (bei Wachstumsperspektive)
< 3 %🔴 Kritisch (nur bei starker Wertsteigerung sinnvoll)

Einschränkungen

Die Bruttomietrendite ist ein Schnell-Check, aber nicht aussagekräftig genug für eine Kaufentscheidung, weil sie ignoriert:

  • Kaufnebenkosten (7–15 %)
  • Nicht umlegbare Betriebskosten
  • Instandhaltungskosten
  • Leerstandsrisiko
  • Verwaltungskosten

Kennzahl 2: Nettomietrendite

Formel

Nettomietrendite = (Jahresnettokaltmiete − nicht umlegbare Kosten) ÷ (Kaufpreis + Kaufnebenkosten) × 100

Berechnungsbeispiel

PositionBetrag
Kaufpreis250.000 €
Kaufnebenkosten (10 %)25.000 €
Gesamtinvestition275.000 €
Jahresmiete (nettokalt)10.800 €
− Verwaltung (Hausverwaltung)−600 €
Instandhaltungsrücklage−900 €
− Mietausfall-Risiko (3 %)−324 €
Nettomietertrag8.976 €
Nettomietrendite3,26 %

Fazit: Die Nettomietrendite liegt typischerweise 1,0–1,5 Prozentpunkte unter der Bruttomietrendite. Sie ist die realistischere Kennzahl für die Kaufentscheidung.

Nicht umlegbare Kosten im Detail

KostenartRichtwert pro Jahr
Hausverwaltung250–400 €/Wohnung
Instandhaltungsrücklage6–12 €/m²
Mietausfall-Risiko2–4 % der Jahresmiete
Rechtsschutz-/Mietausfallversicherung100–300 €
Steuerberater-Anteil200–400 €
Summe (typisch)1.200–2.500 €

Kennzahl 3: Eigenkapitalrendite

Formel

EK-Rendite = (Nettomietertrag − Zinskosten) ÷ eingesetztes Eigenkapital × 100

Berechnungsbeispiel: Der Hebeleffekt

100 % EK30 % EK20 % EK
Kaufpreis + NK275.000 €275.000 €275.000 €
Eigenkapital275.000 €82.500 €55.000 €
Darlehen0 €192.500 €220.000 €
Zinsen (3,5 %/J.)0 €6.738 €7.700 €
Nettomietertrag8.976 €8.976 €8.976 €
Cashflow (nach Zinsen)8.976 €2.238 €1.276 €
EK-Rendite3,26 %2,71 %2,32 %

Wann funktioniert der Hebeleffekt?

Der Leverage-Effekt wirkt positiv, wenn die Objektrendite über dem Kreditzins liegt:

Objektrendite vs. KreditzinsHebeleffekt
Objektrendite > Kreditzins✅ EK-Rendite > Objektrendite (positiver Hebel)
Objektrendite = Kreditzins⚠️ Kein Hebeleffekt
Objektrendite < Kreditzins❌ EK-Rendite < Objektrendite (negativer Hebel!)

2026-Realität: Bei Kreditzinsen von 3,5 % und Netto-Objektrenditen von oft nur 3,0–3,5 % ist der Hebeleffekt in vielen Märkten nahe null oder negativ. Investoren müssen auf Wertsteigerung setzen oder Objekte mit höherer Rendite finden.

Schnell-Check: Der Mietpreismultiplikator

Der Mietpreismultiplikator ist die einfachste Kennzahl:

Multiplikator = Kaufpreis ÷ Jahresnettokaltmiete

MultiplikatorBewertungRendite-Äquivalent
< 20🟢 Sehr günstig> 5,0 %
20–25🟢 Fair bewertet4,0–5,0 %
25–30🟡 Teuer3,3–4,0 %
30–35🔴 Sehr teuer2,9–3,3 %
> 35❌ Überteuert< 2,9 %

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5 häufige Rendite-Fehler

Laptop mit Tabellenkalkulation zur Mietrendite-Analyse auf einem Schreibtisch

1. Kaufnebenkosten ignorieren

Die Kaufnebenkosten (7–15 %) gehören zur Gesamtinvestition und müssen in die Renditeberechnung einfließen. Ohne sie wird die Rendite um 0,5–1,0 Prozentpunkte überschätzt.

2. Instandhaltung unterschätzen

Alte Gebäude brauchen mehr Instandhaltung. Bei Baujahren vor 1970 sollten Sie mit 12–15 €/m²/Jahr rechnen, bei Neubauten mit 6–8 €/m²/Jahr.

3. Leerstand ignorieren

Selbst in guten Lagen kann es zu Mieterwechsel-Leerständen kommen. Kalkulieren Sie mindestens 1 Monat Leerstand alle 3–5 Jahre (ca. 2–3 % Mietausfall).

4. Wertsteigerung als sicher einplanen

Wertsteigerung ist keine Garantie. Zwischen 2022 und 2024 sind Preise in vielen Regionen um 10–15 % gefallen. Rechnen Sie konservativ mit 0–1 % pro Jahr.

5. Steuervorteile überschätzen

AfA-Abschreibung und Zinsabzug verbessern die Nach-Steuer-Rendite, aber sie machen ein unrentables Objekt nicht rentabel. Investieren Sie nie „nur wegen der Steuer”.

Rendite-Vergleich: Immobilie vs. Alternativen

AnlageTypische Rendite (vor Steuern)RisikoLiquidität
Immobilie (vermietet)3–5 % Netto + WertsteigerungMittel🔴 Gering
ETF (MSCI World)7–9 % langfristigMittel-Hoch🟢 Hoch
Festgeld2,5–3,5 %🟢 Gering🟡 Mittel
Anleihen3–4 %🟢 Gering🟢 Hoch
Gold3–5 % langfristigMittel🟢 Hoch

Hinweis: Der Hebeleffekt (Fremdfinanzierung) ist der einzigartige Vorteil von Immobilien gegenüber anderen Anlageklassen. Kein anderer Vermögenswert lässt sich so günstig und langfristig fremdfinanzieren.

Praxis-Checkliste: Rendite vor dem Kauf prüfen

  • Bruttomietrendite > 4 %?
  • Nettomietrendite > 3 %?
  • Kaufpreis-Miete-Multiplikator < 25?
  • Netto-Cashflow positiv (nach Zins, Tilgung, NK)?
  • Lage mit stabiler/steigender Nachfrage?
  • Bauzustand geprüft (Gutachter)?
  • Mietentwicklung der Region analysiert?

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