Eigenkapitalrendite

Die Eigenkapitalrendite zeigt, wie viel Gewinn das eingesetzte Eigenkapital bei einer Immobilieninvestition erwirtschaftet – oft 8–15 % dank Leverage-Effekt.

EStG § 21

Was ist die Eigenkapitalrendite?

Die Eigenkapitalrendite (EK-Rendite) misst den Ertrag einer Immobilieninvestition bezogen ausschließlich auf das eingesetzte Eigenkapital. Sie ist die aussagekräftigste Kennzahl für fremdfinanzierte Kapitalanlage-Immobilien, da sie den Leverage-Effekt (Hebelwirkung) berücksichtigt.

Berechnung

EK-Rendite = (Netto-Mietertrag − Zinskosten + Tilgung) / eingesetztes Eigenkapital × 100

Hinweis: Die Tilgung wird hinzugerechnet, weil sie keinen Aufwand darstellt, sondern Vermögensaufbau – die Schulden sinken, das Eigenkapital in der Immobilie steigt.

Der Leverage-Effekt erklärt

Wenn die Gesamtrendite der Immobilie (Mietrendite) über dem Kreditzins liegt, wirkt der Leverage-Effekt positiv – jeder Euro Fremdkapital steigert die EK-Rendite:

Leverage-Effekt: EK-Rendite nach Fremdkapitalanteil Annahme: Objektrendite 5 %, Kreditzins 3,5 % 100 % EK 5,0 % Kein Hebel 50 % EK 6,5 % +1,5 % durch Hebel 30 % EK 8,5 % +3,5 % durch Hebel 20 % EK 11,0 % +6,0 % durch Hebel ⚠ Bei Objektrendite < Kreditzins kehrt sich der Effekt um (negativer Leverage)

Detaillierte Berechnung – Beispiel

Objekt: Eigentumswohnung, Kaufpreis 200.000 €, Kaltmiete 650 €/Monat

PositionBerechnung
Jahreskaltmiete7.800 €
− nicht umlagefähige NK−400 €
− Instandhaltung (1 €/m² × 55 m² × 12)−660 €
− Verwaltung−360 €
− Mietausfallrisiko (2 %)−156 €
= Netto-Mietertrag6.224 €
Gesamtinvestition (KP + 10 % NK)220.000 €
− Darlehen (80 %)−176.000 €
= Eigenkapital44.000 €
Jahreszinsen (3,5 % auf 176.000 €)−6.160 €
Jahrestilgung (2 % auf 176.000 €)+3.520 €
Cashflow (Mietertrag − Zinsen)64 €/a
Vermögensaufbau (Cashflow + Tilgung)3.584 €/a
EK-Rendite (Vermögensaufbau)3.584 / 44.000 = 8,1 %

Steuerlicher Effekt

Die EK-Rendite nach Steuern kann sogar höher ausfallen, wenn:

  • Abschreibung (AfA): 2 % p. a. auf den Gebäudeanteil (bei Baujahr ab 2023: 3 %) reduzieren das zu versteuernde Einkommen
  • Zinsen sind absetzbar: Schuldzinsen mindern als Werbungskosten die Steuer (§ 21 EStG)
  • Negativer steuerlicher Ertrag: Bei hoher Anfangsfinanzierung kann die Immobilie anfangs einen „steuerlichen Verlust” erzeugen, der mit anderen Einkünften verrechnet wird

Risiken des hohen Leverage

Der Hebel wirkt in beide Richtungen:

  • Leerstand: Die Kreditrate läuft weiter, auch ohne Mieteinnahmen
  • Sinkende Mieten: Bei Marktabschwung sinkt die Objektrendite unter den Kreditzins → negativer Leverage
  • Zinsänderung: Bei Anschlussfinanzierung kann ein höherer Zins den Cashflow negativ drehen
  • Wertverlust: Bei Verkauf unter Restschuld droht Nachschusspflicht

Faustregel: Mindestens 20 % Eigenkapital plus Kaufnebenkosten einsetzen, um das Risiko beherrschbar zu halten.

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