Die Frage „Kaufen oder Mieten?” war selten so komplex wie 2026. Die Bauzinsen liegen bei 3,5–4,0 % – deutlich höher als die Tiefststände von unter 1 % in 2021/2022. Gleichzeitig sind die Immobilienpreise in vielen Regionen seit dem Höchststand 2022 um 10–15 % korrigiert. Was heißt das für Ihre Entscheidung?
TLDR: Bei den aktuellen Zinsen lohnt sich der Kauf vor allem bei langfristigem Horizont (> 15 Jahre), hohem Eigenkapital (> 20 %) und in Regionen mit stabilem Preisniveau. Für flexible, kurzfristig denkende Mieter kann „Mieten + Investieren” attraktiver sein.
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Die Zinslandschaft 2026: Ein Paradigmenwechsel
Zinsentwicklung im Überblick
| Zeitraum | Durchschnittlicher Bauzins (10 J.) | Monatl. Rate bei 300.000 € Darlehen |
|---|---|---|
| 2021 | 0,8 % | 700 € (2 % Tilgung) |
| 2022 | 3,5 % | 1.375 € |
| 2023 | 3,8 % | 1.450 € |
| 2024 | 3,5 % | 1.375 € |
| 2025 | 3,3 % | 1.325 € |
| 2026 | 3,5 % | 1.375 € |
Bedeutung: Die monatliche Rate hat sich gegenüber 2021 fast verdoppelt – bei gleichem Darlehen. Das verschiebt den Break-Even zwischen Kaufen und Mieten deutlich nach hinten.
Kaufen 2026: Pro und Contra
✅ Argumente fürs Kaufen
- Inflationsschutz: Immobilien-Sachwerte schützen vor Geldentwertung
- Preiskorrektur nutzen: In vielen Regionen sind Preise seit 2022 gesunken – Einstiegschance
- Altersvorsorge: Mietfreies Wohnen im Alter spart 500–1.500 €/Monat
- Zinsbindung sichern: Aktuelle Zinsen sind historisch nicht ungewöhnlich – weitere Steigerungen möglich
- Hebeleffekt: Eigenkapitalrendite kann bei Wertsteigerung überproportional sein
❌ Argumente gegen das Kaufen
- Hohe Einstiegskosten: Kaufnebenkosten von 7–15 % plus Eigenkapital
- Eingeschränkte Flexibilität: Jobwechsel, Umzug, Familienveränderungen
- Zinsrisiko bei Anschlussfinanzierung: In 10–15 Jahren könnten Zinsen höher sein
- Instandhaltungskosten: 1–2 €/m²/Monat – nicht zu unterschätzen
- Klumpenrisiko: Das gesamte Vermögen steckt in einer Anlageklasse

Der Break-Even: Ab wann lohnt sich Kaufen?
Szenario-Analyse: 350.000 € Eigentumswohnung vs. Mieten
| Annahme | Kaufen | Mieten |
|---|---|---|
| Kaufpreis / Monatsmiete | 350.000 € | 1.100 € kalt |
| Eigenkapital | 80.000 € | → investiert in ETF |
| Kaufnebenkosten (10 %) | 35.000 € | — |
| Darlehenssumme | 305.000 € | — |
| Zins / Tilgung | 3,5 % / 2 % | — |
| Monatliche Rate | 1.398 € | — |
| Nebenkosten + Instandhaltung | 300 €/Mon. | 250 €/Mon. |
| Monatliche Gesamtkosten | 1.698 € | 1.350 € |
Break-Even-Zeitraum (je nach Wertsteigerung)
| Jährliche Wertsteigerung | Break-Even nach |
|---|---|
| 0 % (Stagnation) | > 25 Jahre |
| 1 % pro Jahr | 18–20 Jahre |
| 2 % pro Jahr | 13–15 Jahre |
| 3 % pro Jahr | 10–12 Jahre |
Fazit: Bei 2 % jährlicher Wertsteigerung (historischer Durchschnitt) lohnt sich der Kauf nach ca. 14 Jahren. Wer kürzer plant, fährt als Mieter + ETF-Investor besser.
Alternative: „Mieten + Investieren”
Die Rechnung: Wenn Sie als Mieter die Differenz zwischen Kauf- und Mietkosten in einen ETF-Sparplan investieren:
| Monat | Kaufen-Kosten | Mieten-Kosten | Differenz → ETF |
|---|---|---|---|
| Monatlich | 1.698 € | 1.350 € | 348 € |
| Plus Eigenkapital (in ETF) | — | — | 80.000 € Start |
Vermögensvergleich nach 20 Jahren
| Szenario | Vermögen Käufer | Vermögen Mieter+ETF |
|---|---|---|
| Immobilie +1 %/J., ETF 5 %/J. | ca. 420.000 € | ca. 470.000 € |
| Immobilie +2 %/J., ETF 5 %/J. | ca. 480.000 € | ca. 470.000 € |
| Immobilie +3 %/J., ETF 5 %/J. | ca. 550.000 € | ca. 470.000 € |
Ergebnis: Bei realistischen 5 % ETF-Rendite und 2 % Immobilienwertsteigerung sind beide Strategien nach 20 Jahren nahezu gleichwertig. Der entscheidende Faktor ist die Disziplin beim Sparen.
Entscheidungsmatrix: Was passt zu Ihnen?
| Kriterium | → Eher Kaufen | → Eher Mieten |
|---|---|---|
| Zeithorizont | > 15 Jahre am Standort | < 10 Jahre oder unsicher |
| Eigenkapital | > 20 % verfügbar | < 10 % verfügbar |
| Jobsicherheit | Unbefristet, stabil | Befristet oder selbstständig |
| Lebenssituation | Familie, sesshaft | Single, flexibel |
| Miete vs. Rate | Rate < 35 % Netto | Rate > 40 % Netto |
| Marktlage | Stabile/steigende Preise | Hoher Multiplikator (> 30) |

Regional-Check: Wo lohnt sich Kaufen 2026?
Kaufen tendenziell attraktiv
- Mittelstädte mit Wachstum: Leipzig, Dresden, Erfurt, Potsdam
- Speckgürtel der Metropolen: Umland von München, Hamburg, Frankfurt
- Niedrige GrESt-Bundesländer: Bayern (3,5 % — einziges Land mit dem alten Satz)
Mieten tendenziell attraktiv
- Überteuerte Innenstädte: München (Multiplikator > 35), Hamburg-Zentrum, Frankfurt
- Schrumpfende Regionen: Teile von Sachsen-Anhalt, Thüringen, Saarland
- Hohe Kaufnebenkosten: Brandenburg, NRW (6,5 % GrESt)
Steuerliche Aspekte 2026
Selbstnutzer
- Keine steuerlichen Vorteile bei Selbstnutzung
- Wertsteigerung nach 10 Jahren steuerfrei (§ 23 EStG)
- KfW-Förderung möglich
Kapitalanleger
- Zinsen und Werbungskosten absetzbar (§ 9 EStG)
- AfA-Abschreibung von 2–3 % auf den Gebäudeanteil
- Kaufnebenkosten als Anschaffungsnebenkosten absetzbar
- Wertsteigerung nach 10 Jahren Haltefrist steuerfrei
Checkliste: Ihre persönliche Entscheidung
- Wie lange wollen Sie am Standort bleiben? (> 15 Jahre = Kauf erwägen)
- Haben Sie genug Eigenkapital? (min. Nebenkosten, ideal 20 %+)
- Bleibt die Rate unter 35 % Ihres Nettoeinkommens?
- Haben Sie einen Notgroschen (3–6 Monatsgehälter)?
- Liegt der Kaufpreis-Miete-Multiplikator unter 25?
- Haben Sie die Gesamtkosten (Rate + NK + Instandhaltung) kalkuliert?
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