Eigenkapital beim Hauskauf: Wie viel braucht man wirklich?

Eigenkapital-Ratgeber für Erstkäufer: Wie viel Eigenkapital Sie für den Immobilienkauf brauchen, woher es kommen kann und wann eine 100%-Finanzierung sinnvoll sein kann.

Das Eigenkapital ist der Schlüssel zum günstigen Hauskauf. Je mehr Sie einbringen, desto besser Ihr Zinssatz, desto geringer Ihre monatliche Belastung und desto niedriger Ihr Gesamtrisiko. Aber wie viel ist wirklich nötig?

TLDR: Mindestens die Kaufnebenkosten (7–15 %) müssen als Eigenkapital vorhanden sein. Optimal sind 20–30 % des Kaufpreises. Mehr Eigenkapital = bessere Zinsen = weniger Gesamtkosten.

Die Eigenkapital-Regel: Minimum, Optimal, Ideal

EK-QuoteZinsvorteilRisikobewertungEmpfehlung
< 10 % (nur NK)Kein Vorteil, Zinsaufschlag🔴 Hohes RisikoNur bei sicherem Einkommen
10–20 %ca. 0,2 % günstiger🟡 AkzeptabelGuter Einstieg
20–30 %ca. 0,4 % günstiger🟢 EmpfohlenOptimales Verhältnis
> 30 %ca. 0,5–0,8 % günstiger🟢 Sehr sicherWenn liquiditätsverträglich

Berechnungsbeispiel: Kaufpreis 350.000 €

10 % EK20 % EK30 % EK
Eigenkapital35.000 €70.000 €105.000 €
+ Kaufnebenkosten (10 %)35.000 €35.000 €35.000 €
Benötigtes EK gesamt70.000 €105.000 €140.000 €
Darlehenssumme315.000 €280.000 €245.000 €
Zinssatz (geschätzt)4,0 %3,6 %3,2 %
Monatliche Rate (2 % Tilgung)1.575 €1.307 €1.063 €
Zinskosten 10 Jahre107.000 €85.000 €65.000 €

Fazit: Der Unterschied zwischen 10 % und 30 % Eigenkapital beträgt über 10 Jahre 42.000 € an Zinskosten – bei 512 € weniger monatlicher Belastung.

Berechnen Sie Ihr maximales Budget →

Spardose in Hausform und Wohnungsschlüssel – Eigenkapital für den Hauskauf

Was zählt als Eigenkapital?

Typische Eigenkapital-Zusammensetzung für Erstkäufer 40 % 25 % 15 % 10% 10% 💰 Sparguthaben Tagesgeld, Festgeld, Sparbuch 📈 Wertpapiere ETFs, Aktien, Fonds 🏠 Bauspar Vertrag + Darlehen 👨‍👩‍👧 Familie Darlehen 📋 Sonstige LV, Riester Beispiel: 70.000 € Eigenkapital für 350.000 € Kaufpreis (20 %) 28.000 € Sparguthaben + 17.500 € ETF-Depot + 10.500 € Bauspar + 7.000 € Familiendarlehen + 7.000 € Riester/LV

Klassische Eigenkapitalquellen

  • Sparguthaben: Tagesgeld, Festgeld, Sparbuch
  • Wertpapiere: Aktien, ETFs, Fonds (zum Zeitwert)
  • Bausparverträge: Guthabenteil + Darlehensanspruch
  • Lebensversicherung: Rückkaufswert oder Beleihung
  • Riester-Guthaben: Entnahme für Wohneigentum möglich (Wohn-Riester)

Alternative Eigenkapitalquellen

  • Familiendarlehen: Private Darlehen von Eltern/Verwandten (schriftlich fixieren!)
  • Schenkung: Mit Schenkungsvertrag – Freibeträge beachten (400.000 € pro Elternteil)
  • Erbvorbezug: Vorweggenommene Erbfolge
  • Bestehende Immobilie: Als Zusatzsicherheit für die Bank
  • Arbeitgeberdarlehen: Manche Arbeitgeber bieten günstige Mitarbeiterdarlehen

Was zählt NICHT als Eigenkapital?

  • ❌ Konsumentenkredite (Ratenkredit, Dispo)
  • ❌ Geld, das kurzfristig zurückgezahlt werden muss
  • ❌ Bitcoin und Kryptowährungen (von den meisten Banken nicht anerkannt)
  • ❌ Nicht belegbare Barbestände

Junges Paar zeigt stolz die Schlüssel ihrer ersten eigenen Wohnung

5-Jahres-Plan zum Eigenkapitalaufbau

Für Paare mit Haushaltseinkommen 5.000 € netto

JahrMonatliche SparrateSparformKumuliertes EK
Jahr 1800 €Tagesgeld (Sicherheit)9.600 €
Jahr 2900 €Tagesgeld + ETF-Sparplan20.400 €
Jahr 31.000 €ETF-Sparplan (70 %) + Festgeld (30 %)32.400 €
Jahr 41.000 €Umschichtung in sichere Anlagen44.400 €
Jahr 51.100 €Alles liquide (Tagesgeld/Festgeld)57.600 €

Plus Rendite: Bei 4 % Rendite auf die ETF-Anteile (nach Steuer) kann das Ergebnis bei ca. 62.000–65.000 € liegen – genug für 20 % EK bei einer 300.000-€-Immobilie.

Sonderfälle: Eigenkapital-Strategien

Eigenkapital aus einem Bausparvertrag

Bausparverträge bieten einen doppelten Vorteil:

  1. Das angesparte Guthaben zählt als Eigenkapital
  2. Das Bauspardarlehen hat einen garantiert niedrigen Zinssatz

Empfehlung: Einen Bausparvertrag 5–7 Jahre vor dem geplanten Kauf abschließen. Die Bausparsumme sollte ca. 30 % des erwarteten Kaufpreises betragen.

Eigenkapital bei Kapitalanlage-Immobilien

Bei Vermietungsobjekten bewerten Banken den Beleihungswert der Immobilie höher, weil Mieteinnahmen die Tilgung stützen. Daher sind hier oft:

KfW-Förderung als Eigenkapital-Ergänzung

KfW-Förderdarlehen werden von vielen Banken nachrangig behandelt und können die Eigenkapitalanforderung senken. Prüfen Sie insbesondere:

  • KfW 261/262: Energieeffizientes Bauen/Sanieren
  • KfW 124: Wohneigentumsprogramm (bis 100.000 €)

Vollfinanzierung: Wann kann es sinnvoll sein?

Eine 100%-Finanzierung (ohne Eigenkapital für den Kaufpreis) kann in Ausnahmefällen sinnvoll sein:

Dafür:

  • Sehr hohes, sicheres Einkommen (z. B. Beamte)
  • Schnell steigende Immobilienpreise (Zeitvorteil)
  • Alternative Investitionen mit höherer Rendite
  • Liquide Rücklagen für Unvorhergesehenes

Dagegen:

  • Deutlich höhere Zinsen (0,5–1,0 % Aufschlag)
  • Höheres Risiko bei Wertverlust (Unterwasser-Hypothek)
  • Längere Laufzeit und höhere Gesamtkosten
  • Eingeschränkte Flexibilität bei Jobverlust

Wichtig: Auch bei einer Vollfinanzierung müssen die Kaufnebenkosten (7–15 %) fast immer aus Eigenkapital bezahlt werden. Eine echte 110%-Finanzierung ist bei den meisten Banken nicht möglich.

Checkliste: Eigenkapital-Bereitstellung

  • Alle Sparkonten zusammenrechnen
  • Wertpapier-Depotwert ermitteln (konservativ)
  • Bausparvertrag-Guthaben prüfen
  • Lebensversicherung Rückkaufswert erfragen
  • Riester-Entnahme prüfen (Wohn-Riester)
  • Familiäre Unterstützung klären (Darlehen/Schenkung)
  • Arbeitgeberdarlehen-Möglichkeit prüfen
  • KfW-Förderfähigkeit prüfen
  • Notgroschen (3–6 Monatsgehälter) NICHT als EK einplanen

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