Budgetrechner-Guide: Wie viel Immobilie können Sie sich leisten?

Wie viel Haus oder Wohnung können Sie sich leisten? Faustregeln, Bankformeln und Praxisbeispiele für Ihre realistische Budgetplanung beim Immobilienkauf.

„Wie viel Haus kann ich mir leisten?” – diese Frage ist der Ausgangspunkt jeder Immobiliensuche. Die Antwort hängt von Ihrem Einkommen, Ihrem Eigenkapital und den aktuellen Zinsen ab.

TLDR: Maximal 35 % des Nettohaushaltseinkommens für die Kreditrate. Bei 5.000 € netto und 3,5 % Zins sind das ca. 380.000 € Kaufpreis (mit 80.000 € Eigenkapital).

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Die drei Faustregeln der Immobilienbudgetierung

Faustregel 1: Die 35-Prozent-Regel

Maximal 35 % des Nettohaushaltseinkommens sollten für die Kreditrate (Zins + Tilgung) aufgewendet werden. Manche Banken akzeptieren bis 40 %, konservative Berater empfehlen 30 %.

Netto-HaushaltMax. Rate (35 %)Max. Rate (30 %)
3.000 €1.050 €900 €
4.000 €1.400 €1.200 €
5.000 €1.750 €1.500 €
6.000 €2.100 €1.800 €
8.000 €2.800 €2.400 €

Faustregel 2: Der Einkommens-Multiplikator

Eine grobe Orientierung: Der maximale Kaufpreis sollte das 5- bis 7-fache des Bruttojahresgehalts nicht überschreiten.

BruttojahresgehaltKaufpreis (5×)Kaufpreis (7×)
50.000 €250.000 €350.000 €
70.000 €350.000 €490.000 €
100.000 €500.000 €700.000 €

Faustregel 3: Die Bankformel

Banken berechnen Ihr Budget anhand der Annuitätenformel:

Maximales Darlehen = Monatliche Rate × 12 ÷ (Zinssatz + Tilgung)

Bei 1.500 € monatlicher Rate, 3,5 % Zinsen und 2 % Tilgung:

  • Maximales Darlehen: 1.500 × 12 ÷ 0,055 = 327.272 €
  • Plus 80.000 € Eigenkapital = 407.000 € Kaufpreis (minus Nebenkosten)

Junges Paar plant das Hauskauf-Budget am Küchentisch mit Taschenrechner und Laptop

Was Banken wirklich prüfen

Die Haushaltsrechnung der Bank

Banken erstellen eine detaillierte Einnahmen-Ausgaben-Rechnung:

PositionBeispiel: Paar, 2 Kinder
+ Nettoeinkommen Hauptverdiener3.800 €
+ Nettoeinkommen Zweitverdiener2.200 €
+ Kindergeld500 €
= Gesamteinkommen6.500 €
− Lebenshaltung (Pauschale)−2.000 €
− Kinder (Pauschale)−500 €
− Versicherungen−300 €
− Bestehende Kredite−200 €
− KFZ-Kosten−300 €
− Nebenkosten Immobilie−400 €
− Puffer (10 %)−300 €
= Frei verfügbar für Rate2.500 €

Hinweis: Banken rechnen konservativ. Kindergeld wird oft nur teilweise angerechnet, variable Gehaltsbestandteile (Boni) werden reduziert.

Bonität und Schufa

Neben dem Einkommen prüft die Bank:

  • Schufa-Score: Mindestens 90 Punkte (ideal > 95)
  • Beschäftigungsdauer: Mind. 6 Monate (unbefristet bevorzugt)
  • Bestehende Verbindlichkeiten: Ratenkredite, Leasingverträge
  • Selbstständigkeit: Mind. 3 Jahre Einkommensnachweis

Deutsches Einfamilienhaus in einer ruhigen Wohngegend

Versteckte Kosten: Was viele vergessen

Laufende Kosten als Eigentümer

KostenstelleETW (80 m²)Haus (140 m²)
Grundsteuer50–200 €/Mon.100–400 €/Mon.
Hausgeld/Betriebskosten200–350 €/Mon.
Heizung + Strom(im Hausgeld)200–400 €/Mon.
Wasser + Müll(im Hausgeld)50–100 €/Mon.
Versicherung(im Hausgeld)50–150 €/Mon.
Instandhaltungsrücklage80–160 €/Mon.140–280 €/Mon.
Gesamt330–710 €/Mon.540–1.330 €/Mon.

Wichtig: Planen Sie 1–2 € pro m²/Monat als Instandhaltungsrücklage ein (bei Neubau weniger, bei Altbau mehr). Dach, Heizung oder Fenster können sonst zum finanziellen Schock werden.

Einmalige Kosten nach dem Kauf

  • Umzugskosten: 1.000–5.000 €
  • Renovierung/Einrichtung: 5.000–30.000 €
  • Garten/Außenanlagen: 2.000–10.000 € (bei Haus)
  • Anschlussgebühren: 500–2.000 € (Strom, Internet, Telefon)

Praxisbeispiel: Familien-Budget

Familie Müller – Kaufpreis 380.000 € in Niedersachsen

PositionBetrag
Kaufpreis380.000 €
Kaufnebenkosten (10 %)38.000 €
Gesamtkosten418.000 €
Eigenkapital90.000 €
KfW-Darlehen (124)50.000 €
Bankdarlehen278.000 €
Zinssatz3,5 %
Tilgung2,5 %
Monatliche Rate1.390 €
Anteil am Nettoeinkommen (5.500 €)25,3 %

Bewertung: 🟢 Die Familie bleibt komfortabel unter der 35 %-Grenze. Genug Puffer für Kinder, Urlaub und Rücklagen.

5 häufige Budgetfehler

  1. Nur die Kreditrate kalkulieren – Nebenkosten, Instandhaltung und Rücklagen vergessen
  2. Variablen Einkommensanteil einplanen – Boni, Überstunden nicht als Basis nehmen
  3. Keinen Notgroschen behalten – 3–6 Monatsgehälter sollten liquide bleiben
  4. Zinsbindung zu kurz wählen – Bei niedrigen Zinsen 15+ Jahre fixieren
  5. Wertsteigerung einplanen – Preise können auch fallen

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