Anschlussfinanzierung

Die Anschlussfinanzierung ist die Weiterfinanzierung der Restschuld nach Ablauf der Zinsbindung – per Prolongation, Umschuldung oder Forward-Darlehen.

§ 489 BGB, § 490 BGB

Was ist eine Anschlussfinanzierung?

Die Anschlussfinanzierung ist die Weiterfinanzierung der Restschuld eines Immobiliendarlehens nach Ablauf der Sollzinsbindung. Da die meisten Immobilienkredite nach 10 oder 15 Jahren noch nicht vollständig getilgt sind, muss die verbleibende Schuld zu neuen Konditionen weiterfinanziert werden – zum dann gültigen Marktzins.

Die drei Wege der Anschlussfinanzierung

ProlongationUmschuldungForward-Darlehen
Was ist das?Vertragsverlängerung bei der bisherigen BankWechsel zu einer neuen BankZinsvereinbarung bis zu 5 Jahre vor Ablauf
ZeitpunktBei ZinsbindungsendeBei Zinsbindungsende12–66 Monate vor Ablauf
AufwandMinimal (nur Unterschrift)Mittel (neue Grundschuldabtretung)Gering (Vertrag + ggf. Abtretung)
KostenKeineGrundbuchgebühren ca. 0,1–0,2 %Forward-Aufschlag
ZinsvorteilOft nicht der beste ZinsBester Marktzins möglichZinssicherung bei steigendem Markt
RisikoKein WechselrisikoBewertung durch neue BankAufschlag kann sich nicht lohnen

Zeitplan: Wann aktiv werden?

Zeitplan: Anschlussfinanzierung vorbereiten −5 J. Forward-Darlehen möglich −12 Mon. Aktiv Angebote vergleichen −3 Mon. Entscheidung treffen Ablauf Neue Konditionen gelten 📧 Bank sendet Prolongationsangebot (ca. 3 Mon. vorher)

Forward-Darlehen im Detail

Ein Forward-Darlehen sichert den heutigen Zinssatz für einen Kredit, der erst in Zukunft beginnt. Dafür zahlen Sie einen Forward-Aufschlag:

VorlaufzeitTypischer AufschlagSinnvoll wenn…
12 Monate+0,10–0,15 %Zinsen steigen moderat
24 Monate+0,20–0,35 %Deutliche Zinssteigung erwartet
36 Monate+0,35–0,55 %Starke Zinssteigung befürchtet
48–60 Monate+0,50–0,80 %Nur bei extremem Zinsrisiko

Achtung: Ein Forward-Darlehen ist verbindlich. Sinken die Zinsen nach Abschluss, zahlen Sie trotzdem den vereinbarten (höheren) Satz. Sie können nicht zurücktreten.

Rechenbeispiel: Prolongation vs. Umschuldung

Ausgangslage: Restschuld 180.000 €, bisheriger Zins 1,5 %, neue Zinsbindung 10 Jahre

Prolongation (bisherige Bank)Umschuldung (neue Bank)
Angebotszins4,00 %3,60 %
Monatsrate (bei 2,5 % Tilgung)975 €915 €
Zinskosten (10 Jahre)58.200 €52.800 €
Wechselkosten0 €~300 € (Grundschuldabtretung)
Ersparnis durch Wechsel5.100 €

Fazit: Die Umschuldung spart in diesem Beispiel über 5.000 € – trotz der Wechselkosten. Der Zinsunterschied von 0,4 % wirkt über 10 Jahre stark.

Checkliste: So vergleichen Sie richtig

  1. Bisherige Bank kontaktieren – Prolongationsangebot anfordern (kommt meist automatisch)
  2. Mindestens 3 weitere Angebote einholen – Online-Vergleichsportale und Direktbanken
  3. Effektivzins vergleichen – Nicht der Sollzins, sondern der Effektivzins ist aussagekräftig
  4. Sondertilgungsrechte prüfen – Mindestens 5 % p. a. vereinbaren
  5. Tilgungssatz anpassen – Bei gestiegen Einkommen die Tilgung erhöhen
  6. Grundschuld prüfen – Bei Umschuldung: Abtretung statt Löschung/Neueintragung (spart Geld)
  7. Sonderkündigungsrecht (§ 489 BGB) – Bei >10 Jahren Zinsbindung: nach 10 Jahren kostenlos kündbar

Häufige Fehler

  • Prolongation blind akzeptieren – Das erste Angebot der Bank ist selten das beste
  • Zu spät reagieren – Wer erst bei Ablauf vergleicht, hat keinen Verhandlungsspielraum
  • Grundschuld löschen lassen – Besser abtretbar halten für die nächste Finanzierung
  • Tilgung nicht anpassen – Bei Anschlussfinanzierung die Rate prüfen und ggf. erhöhen
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